50 Jahre Fährdienst
1959 nahm die SS Viking als erste echte Autofähre den Fährverkehr zwischen dem
finnischen Festland, Åland und Schweden auf.
Am 1. Juni unternahm das Schiff seine Jungfernfahrt auf der Strecke Galtby (Åland) -
Mariehamn (Åland) - Gräddö (Schweden). Das Schiff befand sich im Besitz einer neu gegründeten
Firma in Mariehamn, der "Rederi Ab Vikinglinjen". Das Fährschiff besaß eine Länge von 99
Metern und konnte 88 Autos transportieren.
Eine Woche später startete die "Rederi AB Slite" mit Sitz in Schweden eine Fährverbindung
zwischen Simpnäs (Schweden) und Mariehamn mit dem Schiff "Slite", einem zu einem Fährschiff
umgebauten Frachter.
Revolutionäre Expansion
Viele Menschen betrachteten diese neuen Fährunternehmen mit großer Skepsis;
sie mussten jedoch bald einsehen, dass es sich dabei um die erste Phase einer
geradezu explosionsartigen Expansion der Fährverbindungen zwischen dem finnischen
Festland, Åland und Schweden handelte. Bevor das Zeitalter der Fährschiffe begann,
waren Reisen zwischen dem finnischen Festland, Åland und Schweden eine teure und
komplizierte Angelegenheit. Man musste entweder fliegen oder eine Schiffsverbindung
über Nacht benutzen, die auf der Strecke Turku - Stockholm einen Umweg über
Mariehamn machte. Es handelte sich um eine wenig komfortable und gleichzeitig
teure Reise. Das eigene Auto mitzunehmen war ein ziemlich kompliziertes Unterfangen -
Autos mussten per Kran an Bord gehievt werden und konnten dabei leicht beschädigt werden.
Für den Gütertransport mussten die großen Lastwagen den Weg nach Norden entlang der
Ostsee über Haparanda nehmen, wenn sie Fracht z.B. zwischen Stockholm und Helsinki
transportieren wollten.
Reisen wird einfacher und billiger
Der neu eingerichtete Fährdienst kennzeichnete den Beginn eines lange erwarteten
Aufschwungs im Güter- und Personenverkehr. Der Traum vieler Menschen, mit ihrer
Familie und dem eigenen Auto eine Reise zwischen Finnland und Schweden zu einem
vertretbaren Preis unternehmen zu können, wurde endlich Realität. Der Grund dafür
waren die niedrigen Preise für Fahrkarten. Es war zu einer Demokratisierung des
Reisens gekommen. Jetzt konnten sich nicht mehr nur die Wohlhabenden eine Reise ins
Nachbarland leisten. Autos mussten nicht mehr an Bord gehievt werden. Die SS Viking
besaß z.B. eine Rampe, über die sowohl Autos als auch Lastwagen an Bord fahren konnten.
Die Viking Line startete ihren Fährdienst unter günstigen Rahmenbedingungen. Die für
Reisen und Devisen nach dem zweiten Weltkrieg geltenden Einschränkungen, die die
Entwicklung bisher behindert hatten, gab es nicht mehr. Durch eine Passunion der
fünf skandinavischen Länder wurde Reisen ohne bürokratische Hindernisse möglich.
Die Schaffung eines einheitlichen skandinavischen Arbeitsmarkts förderte Migrationsströme.
Wirtschaftliches Wachstum führte zu erhöhtem Bedarf an Frachtkapazitäten und zu einem neuen
Phänomen: Beinahe jedermann konnte sich ein Auto leisten. Zusammen mit der Möglichkeit, an
Bord zoll- und steuerfreie Waren einzukaufen, entstanden so günstige Voraussetzungen für ein
schnelles Wachstum sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr. 1960 verlegte
Vikinglinjen den Zielhafen in Schweden von Gräddö nach Kapellskär. Das Unternehmen
war der Meinung, dass Kapellskär als Ausgangspunkt für den Fährverkehr zum finnischen
Festland und nach Åland strategisch günstiger gelegen war.
Bei Rederi Ab Vikinglinjen gab es unterschiedliche Ansichten darüber, ob das
Unternehmen sich ausschließlich auf Fährdienste oder auf Fährverkehr in Kombination
mit Gütertransport auf Trockenfrachtschiffen und Tankern konzentrieren sollte. 1963
gründeten die Vertreter eines reinen Fährdienstes die Reederei Ålandsfärjan Ab, die
später zur SF Line Ab und schließlich zur heutigen Viking Line Abp umfirmierte. Im
gleichen Jahr stellte die neu gegründete Reederei ein eigenes Fährschiff, die SS Ålandsfärjan
(schwedisch für "Ålandfähre") auf der Strecke Mariehamn - Gräddö (später Kapellskär) in Dienst.
Beginn der Zusammenarbeit
Auch wenn viele Menschen den Fährdiensten zunächst skeptisch gegenüberstanden, dauerte es
nicht lange, bis andere verstanden, welches Potenzial in dieser neuen Branche steckte.
Die Pioniere des Fährverkehrs merkten schnell, dass man sie kopierte. Es kam zu hartem
Wettbewerb und zu Preiskämpfen. Man sprach von "Selbstmordpreisen" und dem "großen
Preiskrieg der Fährunternehmen". Die Marktteilnehmer begriffen bald, wie nützlich eine
Zusammenarbeit zwischen Reedereien sein konnte, was zur Marketingzusammenarbeit zwischen
Ålandsfärjan Ab, Rederi AB Slite und Rederi Ab Solstad (früher Rederi Ab Vikinglinjen,
im Besitz von Rederi Ab Sally) führte. Das Marketingunternehmen Vikinglinjen Ab Oy,
heute Viking Line Marketing Ab Oy, wurde im Herbst 1966 gegründet. Bereits 1965
führte Rederi AB Slite bei der MS Apollo die rote Lackierung ein.
Erweiterung des Angebots
Das Jahr 1970 wird gewöhnlich als Meilenstein in der Geschichte von Vikinglinjen betrachtet.
Zum einen wurden drei neue, auf Grundlage einer vollkommen neuen Denkweise gebaute Schiffe
ausgeliefert. Alle drei erfüllten die strengsten skandinavischen Vorschriften; besonderes
Augenmerk wurde auf Komfort und Service für die Passagiere gelegt. Zum anderen wurde die
Straße zum Fährterminal in Kapellskär in den Rang einer europäischen Autobahn erhoben.
Daraus folgte, dass die Autofähren zur natürlichen Fortsetzung der Autobahn wurden und
den gleichen Status einer europäischen Autobahn besaßen.
Die Zeit der Kreuzfahrtfähren
In den siebziger und achtziger Jahren ließen die Autofährdienste den traditionellen
Autofährenansatz hinter sich und entwickelten sich zu den heutigen luxuriösen Kreuzfahrtfähren,
die eine große Bandbreite von Kundenbedürfnissen befriedigen, darunter Vergnügungsreisen,
Konferenzreisen, Personenverkehr in eine Richtung und Gütertransportleistungen.
Gleichzeitig wurde das Liniennetz Schritt für Schritt erweitert: Hinzu kamen Naantali
(später Turku) und Helsinki als Zielhäfen in Finnland sowie Stockholm auf der
schwedischen Seite. Seit den späten achtziger Jahren wurde auch Estland mit Kreuzfahrtfähren angebunden.
Rederi Ab Sally und Rederi AB Slite verließen das Viking-Line-Konsortium 1988 bzw. 1993.
1993 wurde die heutige Viking Line Abp die Muttergesellschaft der Viking Line Group.
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